Die Baugeschichte des "Alten Handelshauses" in Plauen

Das "Alte Handelshaus" wurde 1789 in der Straßberger Straße 17 in Plauen errichtet.

Altes Handelshaus vor dem UmbauEigentlich müsste es heißen - die beiden Handelshäuser. Das augenscheinliche Hauptgebäude, das von der Straßberger Straße aus zugänglich ist, ist eigentlich das Nebengebäude, gebaut um 1850 auf Resten eines barocken Vorgängerbaues. Das tatsächliche Hauptgebäude ist das Haus im Zwingerbereich, entlang dem Mühlberg, erbaut 1789. Der Bauplatz ist stadtgeschichtlich außerordentlich bedeutsam. Er ist Teil des Zwingerbaus an der Westseite der Stadtbefestigung.


Der Zwingeranbau ist eine Verstärkung der Wehranlage und als "Pomerium" schon in der Urkunde vom Jahr 1214 erwähnt. Durch die Entwicklung der Waffentechnik ging die militärische Notwendigkeit der Befestigung verloren, der Zwingerbereich wurde nicht mehr instand gehalten und verfiel. Nach zwei, an der inneren Stadtmauer erhaltenen Baugedenksteinen wurden die innere und äußere Stadtmauer 1640, auf dem Höhepunkt des 30 -jährigen Krieges wieder mit modernen Schießscharten für Feuerwaffen neu errichtet.

Eine genaue Rekonstruktion des äußeren Stadtmauerstücks von 1640 am Mühlberg erfolgte 2005 im Auftrag der Stadt Plauen. Dabei wurden die originalen Putzreste aus der Erbauungszeit in den Schießscharten als "Geschichtsfenster" sichtbar gelassen.

Altes Handelshaus vor dem UmbauDas barocke Handelshaus wurde mit den Längswänden genau auf der äußeren und inneren Stadtmauer gegründet. Der Aushub für die gewaltige Kelleranlage erfolgte sehr tief, so dass von den mittelalterlichen Vorgängerbauten keine Spur blieb. Das Handelshaus Teil Mühlberg wurde 1789 in einem Guss vom Keller bis zum Dachfirst neu errichtet.

Für die Zeit des ausgehenden 18. Jahrhunderts war es ein Großhandelshaus. Die Keller waren die "Kühlzellen" und das Handelsgewölbe im Erdgeschoss war für Schüttgüter und Feinwaren (in Wandschränken und auf den Lagerpfosten) gebaut. Die Hauptzufahrt erfolgte über den Alten Teich. Da die Stadtmauer um 1789 ihre militärische Bedeutung völlig verloren hatte, wurde beim Malzhaus ein großes Durchfahrtstor für Handelswagen durch die innere Stadtmauer gebrochen. Die Anlieferung und der Abtransport erfolgten dann im Zwingerbereich durch das große Granittor im Giebel des Handelshauses.


Das kleine Gebäude davor war das Kontor (Büro), ebenfalls 1789 errichtet. Aus der gleichen Zeit ist das dem Kontorgebäude gegenüber liegende "Scheintor", erhalten. Ein dem Zeitgeist entsprechendes architektonisches Schmuckelement, für das es im Vogtland kein zweites Beispiel gibt. Hinter dem Kontorgebäude in Richtung Malzhaus, auf der inneren Stadtmauer befindet sich ein Pavillonbau, als Fachwerkkonstruktion im ausgehenden 18. Jahrhundert errichtet. Er diente dem damals bürgerlichen Geselligkeitsbedarf beim Kaffee- und Teegenuss.

Es gab damals etliche dieser Pavillons, unserer hier ist als einziger in Plauen erhalten. In diesem Pavillon wurde 1789 die erste Plauener Freimaurerloge "Zu den 3 Flammen" gegründet. Der kleine Pavillonraum birgt noch originale Ausmalungsreste aus der Erbauungszeit und wird gastronomisch mit dem Biergarten genutzt, ebenso das ehemalige Kontorgebäude. Wie archäologische Untersuchungen beweisen und alte Stadtpläne dokumentieren war der Biergartenbereich nie bebaut. Diese Fläche wurde immer als Hausgarten genutzt. Das eigentliche "Alte Handelshaus" an der Mühlbergseite hat 1,10 m starke massiv gemauerte Außenwände aus Handstrichziegeln, mit Kreuzgratgewölben, die noch den originalen Putz und die wieder frei gelegte, originale Farbigkeit von 1789 haben.

Altes Handelshaus vor dem UmbauDer alte Handelraum wurde nie umgebaut, er ist ein Stück "vergessene Welt". Mit den 3 mächtigen Mittelpfeilern und den ebenfalls original erhaltenen Fußbodenplatten ist es mit einer Platzkapazität für 100 Personen ein grandioser Gastraum, der trotz seiner Größe gemütlich ist. Der große Kamin verbreitet in der kalten Jahreszeit ein besonderes Flair. Die Raumgröße und die flexiblen historischen Möbel bieten für alle Anlässe entsprechende Möblierungsmöglichkeiten.


Wir haben für die Speisenzubereitung einen neuen Küchenanbau mit großem Dachkräutergarten an der Südseite gebaut. Das Haus an der Straßberger Straße 17 wurde um 1850 errichtet. Im Erdgeschoss war ein Laden und die Obergeschosse wurden als Wohnungen genutzt. Ende des 19. Jahrhunderts entstand dann der bekannte Kolonialwarenladen "Gebhardt" mit Futtermittelgroßhandel im hinteren Barockhaus. Der ehemalige Laden wird heute als Gesellschaftsraum für ca.35 Personen genutzt.

Eine Besonderheit ist die aus dem Plauener Abbruchhaus, Weberstraße 2 gerettete Tapetendecke von 1870. Sie war im 1.Obergeschoss des weggerissenen Hauses die Wohnzimmerdecke der Familie Maximilian Waase, welche im Erdgeschoss die bekannte Gemüse- und Kolonialwarenhandlung "Ullmann und Waase" betrieb. In den Obergeschossen sind noch Stuckdecken aus der Erbauungszeit erhalten. Im alten Hausgarten befindet sich heute ein romantischer Biergarten mit Gartenhaus und Blick auf die Johanniskirchtürme.

Seit dem Frühjahr 2008 gehört noch das ehemalige Torschließer Haus (benannt nach dem Stadttor Straßberger Straße)) zur Gaststätte. Das Haus wurde an Stelle eines mittelalterlichen kleinen Vorgängerbaus 1876 neu errichtet. Im Erdgeschoss befindet sich die Torschließerstube mit ca.25 Plätzen und in den Obergeschossen 3 romantische Pensionszimmer. Das Treppenhaus besteht aus einer großen steinernen Wendeltreppe. Es war mit pompejianischen Farben ausgemalt. Die alte Farbfassung wurde vollständig nach Befund rekonstruiert.

Mit der Sanierung der Gesamtanlage wurde im Januar 2006 begonnen. Planung und Gestaltung: Baubüro Thomas Wunderlich Plauen

 

 

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